Archiv für Mai 2009

Nazis heulen über Arierparagraphen

Es klingt Grotesk, die ewiggestrigen Unnaer Neonazis veröffentlichen einen Artikel, den sie mit „Arierparagraph bei Unnaer Sportvereinen“ übertiteln. Zunächst ist mensch verwirrt, doch erkennt schnell: Die Neonazis sind entweder ziemlich dumm und ungebildet – oder…oder was eigentlich?
Die Arierparagraphe waren die Vorläufer der Nürnberger Rassengesetze, und schlossen Nicht-“Arier“ aus dem Öffentlichen Leben aus. Dies waren die erste Schritte zum Holocaust und führten letztendlich zur industriellen Ermordung von 6 mio Juden.
Doch jetzt ist ja alles anders. Wir leben in einer Demokratie und die Neonazis versuchen sich zu stilisieren. Ekelhafterweise versuchen sie hier ein Bild zu verdrehen, was JedeN zum kotzen bringen müsste: Die Neonazis versuchen ihre Opferrolle, die sie bekanntermaßen gerne und ausgiebig pflegen, zu unterstreichen, in dem sie sich mit den Opfern des Holocausts von vor 60 Jahren gleichsetzen.
Der makabre Zynismus dahinter ist, an der einen Stelle verherrlichen die Mitglieder dieser kleinen Verbrecherbande gern den Holocaust:
Die Einen glauben erst gar nicht an die Existenz der KZs, die andern glauben an erfundene Opferzahlen durch die Allierten und die meisten glauben bis heute an eine jüdische Weltverschwörung. Nachdem sich der Nationalist von heute ordentlich betrunken hat, zeigt er auch mal gern den Hitlergruß, singt volksverhetzende Lieder und pöbelt Behinderte an.
Und dieses Pack fühlt sich jetzt als Opfer eines „Arierparagraphen“? Natürlich, die „guten Alten Zeiten“ sind vorbei, und der NWU besteht auch nicht aus blonden, muskelbepackten, blauäugigen Männern. Aber woher die Aufregung?
Wurde vielleicht einer der „Aktivisten“ ausgeschlossen weil er nicht arisch genug war? Nein?

Der Stadtsportverband Unna fordert alle Sportvereine auf dem Beispiel des SSV Mühlhausen / Uelzen zu folgen und einen Antirassismusparagrafen in die Satzungen aufzunehmen, um Mitglieder mit unliebsamer politischer Meinung ausschließen zu können. Nach der Satzung des SSV ist die gleichzeitige Mitgliedschaft im SSV und extremistischen Vereinigung ausgeschlossen.
Zitat: NW Unna

Fassen wir die Situation zusammen: Der NWU begeht Anschläge, bedroht Menschen, beschmiert Schulen mit Parolen wie „NS Jetzt!“ und fühlt sich jetzt als Opfer eines „Arierparagraphen“? Eines Paragraphen der den Weg für den Holocaust ebnete? Das stellt eine Verharmlosung der NS-Verbrechen dar. Und was wissen wir über Verharmlosung des Holocaust? Richtig! Das nennt sich „Volksverhetzung“ und ist ein Straftatbestand.

§ 130 Volksverhetzung
[…]
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 220a Abs. 1 bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
[…]

Eine gute Nachricht gibt es dennoch:
Timur B., das Opfer des Überfalls in der Nacht vom 16./17. schwebt nicht mehr in Lebensgefahr- er wurde aus dem künstlichen Koma geholt, und konnte schon eine hälfte des Körpers teilweise und unter schmerzen bewegen. Zur Zeit liegt er weiterhin im künstlichen Koma damit sein Körper sich regenerieren kann.

Wir fordern: Antirassismusparagraphen in allen Vereinen. Hausverbote für Neonazis in allen Kneipen und Cafès. Eine Gesellschaft geprägt von Respekt, nicht von der Ideologie der Verbrecher. Lasst sie ihre eigene Intoleranz schmecken. Eine bittere Medizin.

Umsonstkino die Zweite
Pünktlich um 19:30 startete das zweite Umsonstkino, gut besucht, mit der Neuverfilmung der Welle. Das Publikum setzte sich bunt aus allen möglichen „Subkulturen“ zusammen und verfolgte gebannt Jürgen Vogel, in der Rolle eines Anarcho-Lehrers, dem ein fragwürdiges Autokratie-Experiment entgleitet. Alle waren sich einig: Ein voller Erfolg – Mit fast 50 Besuchern hatte niemand gerechnet! Auf die Frage, ob mensch nicht noch schnell beim Abbau mithelfen wolle, reagierten alle solidarisch und halfen in windes Eile das JKC wieder Alltagstauglich zu machen, um sich danach noch in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen und auf die Mitfahrgelegenheiten und Busse zu warten.

Neonazi Veranstaltung verhindert
Wie wir bereits berichteten, wurde am Wochenende durch die Zivilcourage einiger Gastwirte erneut eine NPD-Veranstaltung verhindert. Die Antifa United hat zu diesem Anlass eine Neuauflage ihrer, 2007 erschienenen, „Wirtehandreichung“ veröffentlicht, die Tipps und Tricks für GastwirtInnen bietet, wie sie mit der NPD umgehen kann und sollte. Diese „Wirtehandreichung 2009″ haben wir natürlich auch verlinkt, ihr könnt sie auf der Seite „Stuff“ finden. Darüber hinaus haben wir unsere „Stuff“-Seite aktualisiert, und eine Rubrik „Tiefergehend“ eingearbeitet, die euch mit Videos zum Thema Freiräume, Antifaschismus und Tierrecht versorgt. Das ganze wird natürlich erweitert und geupdatet – sollte eines der Videos, oder ein Part nicht mehr erreichbar sein, meldet euch per Kontaktformular.

Umsonstkino 2: Die Welle

Umsonstkino Banner

Wir haben es zugegebener Maßen versäumt noch einmal auf das heutige Umsonstkino hinzuweisen, aber die Flyer die Unterwegs oder auf Veranstaltungen den Besitzer wechselten haben den Film ja schon angekündigt: Die Welle. Wer also Lust und Zeit hat sich die Neuverfilmung des Jugendbuches anzusehen, ist herzlich eingeladen.
Zum Inhalt des Films:

Deutschland. Heute. Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) startet während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen – Autokratie“ einen Versuch, um den Schülern die Entstehung einer Diktatur greifbar zu machen. Ein pädagogisches Experiment mit verheerenden Folgen.
Was zunächst harmlos mit Begriffen wie Disziplin und Gemeinschaft beginnt, entwickelt sich binnen weniger Tage zu einer richtigen Bewegung. Der Name: DIE WELLE. Bereits am dritten Tag beginnen Schüler, Andersdenkende auszuschließen und zu drangsalieren. Als die Situation bei einem Wasserballturnier schließlich eskaliert, beschließt der Lehrer, das Experiment abzubrechen.
Zu spät. DIE WELLE ist längst außer Kontrolle geraten…
Zitat: spielfilm.de

Im Jugendkulturcafe Kamen (jkc-kamen.de)
Heute um 19:30

+ anschliessender (Kurz-)Vortrag über die Dynamik der heutigen rechten Szene.
Nocheinmal der Link zum Flyer.

Nächsten Monat zeigen wir euch dann „Die fetten Jahre sind vorbei“

Sponti nach Überfall

Der Überfall

Wie die lokalen Gruppen bereits berichteten, wurde Timur B. (40) in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai von 10 vermummten Jugendlichen, die vermutlich der Dortmunder Hooliganszene zu zuordnen sind, überfallen und lebensgefährlich verletzt. Auch wenn die Polizei in Dortmund nicht von einer politischen Tat ausgeht, der Umstand, dass Timur, ein Linker, Deutschtürke ist und in der Tatnacht ein antifaschistisches Tshirt trug , legt einen rechtsextremistischen Hintergrund nahe. Familie und Freunde gehen von diesem Umstand aus. Auch die Stellungnahme des NW Dortmund, die versucht die Schuld dem „Türken“ in die Schuhe zu schieben, spricht dafür. Natürlich ist ein Deutscher, mit türkischen Wurzeln, der linksgerichtet ist und so garnicht dem Bild des schlecht integrierten, arbeitslosen „Türken“, welches die Nazis gern propagieren, entsprechen will, ein willkommenes Feindbild.

Nazis am Dortmunder Bahnhof

Provokant grinsend beobachteten, fotografierten, 7, teils hohe Tiere in der Dortmunder Naziszene, Faschos die anreisenden Antifaschisten. Das ließ mensch sich nicht bieten und wehrte sich. Eine Gruppe von 21 Antifaschisten wurde festgenommen – die Neonazis traten, selbstverständlich unbehelligt durch die Repressionsorgane Deutschlands, mit einigen Blessuren den Rückzug nach Dorstfeld an. Im Verlaufe der Festnahmen, wurde die Dortmunder Polizei nervös, prügelten sich den Weg frei. Mit Schlägen und Tritten griffen sie mehrfach Demonstranten an. Auch Beobachter, die die Polizei beim Kartei-Füllen auf die Finger schauten, wurden angegriffen und bedroht. „Kindergeburtstag“ nannte ein Polizist das ganze – Nun gut, wenn die Geburtstage in seiner Kindheit so aussahen, kann mensch seine grüne Störrung eventuell nach voll ziehen.

Kraftvoll und gut besucht

Nach Drohungen der Polizei, die Demonstration zu verbieten, würde mensch weiterhin die Polizeiaktivitäten beobachten, sammelten sich die Antifaschisten um den Lautsprecherwagen, der mit guter Musik zu Polonaisen um die Polizei animierte. Die Demonstration verlief völlig friedlich, auch wenn immer wieder behindert von den ewig im Weg stehenden Grünen. So wurde man fast eine Viertelstunde kurz vor dem Tatort aufgehalten, da die Polizei Angriffe auf eine BVB-Fankneipe befürchtete. Die Dortmunder Polizei zeichnete sich mal wieder durch Sachverstand und Kooperationsbereitschaft aus: Hatten sich die Betreiber, sowie die Gruppe „The Unity“, doch klar von dem Überfall und rechter Ideologie distanziert. Wer Rechtes Gedankengut in die Kneipe „Lenz Stube“ trägt, „fliegt auch wieder raus“, so Rolf Marewski, Betreiber der besagten Kneipe. Also warum dieser Stress seitens der Polizei?
Die zirka 300 Demo-Teilnehmer konnten zwar der Sache gerecht werden, konnten kraftvoll und lautstark in der Innenstadt auf ihr Anliegen aufmerksam machen, aber ließen dennoch Platz für Kritik: Die gegenseitigen Provokationen innerhalb der Demo, von Seiten der Anti-Deutschen und der Anti-Imperialisten, ist zum kotzen! Ganz ehrlich!
Es ist engstiernig und bescheuert die Szene mit soetwas zu spalten. Wir appellieren an alle Linken, gemeinsam zu Kämpfen, und nicht gegeneinander. Allein machen sie dich ein!

Was noch geschah…

Während in Dortmund sich die Demo-Teilnehmer langsam verstreuten, verhinderten mutige Gastwirte in Kamen eine NPD-Veranstaltung, in deren Auflösung es zu Ausschreitungen seitens der Nazis kam. So wurden Antifaschisten und ein Fotograf der Westfälischen Rundschau von den Neonazis verfolgt, und angegriffen. Wiedereinmal muss unser brauner Kamerad, der alte Voss, sich geschlagengeben: Gleich 2 Gaststätten verwiesen ihn der Tür.
Ausgelassen gefeiert wurde der erfolgreiche Tag dann abends bei guter Musik und veganer Kost im Taubenschlag in Unna. „Polly Rocket Shows“, mittlerweile in der 6ten Auflage, war wieder einmal gut besucht und mit den Bands „Sidetracked“, „Dead End David“, „Napoleon Dynamite“ und „Addiction Conflict“ großartig besetzt.

Spontan Demo in Dortmund

Aufruf zur antifaschistischen Spontandemonstration „Gegen Neonazis und Dortmunder Zustände“ am 23.05.2009 in Dortmund!

Am Sonntagmorgen, gegen 1 Uhr früh, griffen etwa zehn dunkel gekleidete Personen einen 40jährigen Mann an und schlugen so heftig auf ihn ein, dass die Ärzte im Krankenhaus von akuter Lebensgefahr sprechen. Das Opfer liegt weiterhin im künstlichen Koma. Die Polizeipresse spricht in diesem Zusammenhang von einem „versuchte[n] Tötungsdelikt“. Die Staatsanwaltschaft hüllt sich bisher weitgehend in Schweigen und will zu dem Vorfall keine konkreteren Angaben machen. Die Täter konnten vorerst flüchten, sind aber bekannt und stehen unter massivem Druck, sich der Polizei zu stellen. Laut Presseberichten hätten sich die Angreifer den Mann „gezielt ausgesucht“: Auf im Internet veröffentlichten Bildern ist das Opfer mit einem antifaschistischen T-Shirt zu sehen, welches er auch in der Nacht des Überfalls getragen haben soll.

Egal was die offiziellen Ermittlungen letztlich ergeben: Es ist in Dortmund nicht unwahrscheinlich Opfer neonazistischer Gewalt zu werden. Dass die Stadt ein großes Naziproblem hat, zeigt sich nicht nur an dem jährlich stattfindenen bundesweiten Naziaufmarsch zum „Antikriegstag“ in Dortmund. Denn nicht vergessen werden dürfen die Internet-„Outings“ zumeist jugendlicher Linker, tätliche Angriffe auf AntifaschistInnen, attackierte Wahlkreisbüros von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE, Anschläge auf das HippiH-Haus, die Zone 10 und das Taranta Babu, sowie die vier von Neonazis begangenen Morde in Dortmund. Diese sprechen eine deutliche Sprache und sind Beweis genug für die hiesige Nazibedrohung.

Deshalb haben wir allen Grund unseren Protest auf die Straße zu tragen. Nach dem brutalen Naziangriff auf die DGB-Kundgebung am 1. Mai, jetzt noch ein versuchter Mord auf Grund des Tragens eines T-Shirts mit antifaschistischem Slogan. Es reicht!

Die Schwarze Antifa Unna ist schwer betroffen von diesem Überfall und ihr Mitgefühl gilt dem Opfer, seiner Familie und seinen Freunden. Wir hoffen, dass du möglichst bald wieder auf die Beine kommst und das alles überstehst. Wie immer wird es auch diesmal eine gemeinsame Anreise geben, deren genauen Zeitpunkt wir hier noch spontan veröffentlichen werden.

Kein Vergessen den Opfern neonazistischer Gewalt!
Gegen Neonazis und Dortmunder Zustände!
Keine Homezone für Nazis!

Deshalb kommt zur antifaschistischen Spontan-Demonstration:
23.05.2009 (Samstag) / 13 Uhr / Dortmund / Hauptbahnhof (Vorplatz)

Quelle: Antifa Union Dortmund